Netzwerk Kinderrechte

Coronavirus und Kinderrechte

Die Corona-Krise stellt unsere Gesellschaft vor grosse Herausforderungen – Kinder sind davon in vielerlei Hinsicht mitbetroffen. In dieser Krisensituation gilt es nun, den Schutz der Rechte von besonders vulnerablen Gruppen zu beachten. Das Netzwerk Kinderrechte fasst dringliche Fragen zusammen.

Kindgerechte Kommunikation und Zugang zu Information

Die aktuelle Situation führt zu grossen Veränderungen im Alltag und ist vielfach mit Verunsicherung verbunden. Dies gilt für Familien wie auch für ausserfamiliäre Betreuungssituationen. Für Kinder ist eine altersgerechte Kommunikation und Information in einer solchen Situation wichtig. Das hilft, Ängste und Stress zu vermeiden.


Interview mit Philip Jaffé auf «les avis d’experts », 15.03.2020

Links und Tipps für eine kindgerechte Kommunikation im Blogbeitrag von Curaviva

Coronavirus (Covid-19): Wie soll man mit Kindern darüber sprechen, Beitrag von UNICEF Schweiz und Lichtenstein

Informationen zur Alltagsgestaltung mit Kindern in Zeiten von Corona von Pro Juventute

Spiel- und Lernsets für Kinder und Familien von Save the Children Schweiz


Armut und Kinderrechte

Die aktuelle Krise droht, armutsbetroffene Familien besonders zu treffen, da die Eltern oftmals in prekären Beschäftigungsverhältnissen angestellt sind. In der Schweiz waren im Jahr 2018 gemäss Zahlen des Bundesamts für Statistik 9.6% aller Kinder von Armut betroffen, das sind 144‘000 Kinder. Die Lebensumstände dieser Kinder drohen sich in der aktuellen Krise noch zu verschärfen.

«Genauso wie Kleinbetriebe in Liquiditätsprobleme geraten, fehlt auch vielen armutsgefährdeten Familien das Geld, um ihre Rechnungen auf das bevorstehende Monatsende hin zu bezahlen. Für sie steht kein vom Finanzdepartement garantierter Kredit zur Verfügung. Familien und Alleinstehende mit Kleineinkommen und einem Zuverdienst geraten innert kürzester Zeit in die Krise. Die Ärmsten trifft es heftig.», schreibt Caritas Schweiz dazu.  


«Corona-Krise: Die Ärmsten trifft es heftig», Medienmitteilung Caritas Schweiz, 22.03.2020


Zugang zu Bildung

Mit den Schulschliessungen und teilweise Schliessung von Kindertagesstätten ist es nun an den Eltern, die Kinder zu begleiten und zu unterrichten. Wie gut dies gelingt, hängt massgeblich von den Ressourcen der Eltern ab. Für sozial schwächere Familien, die beispielsweise in engen Platzverhältnissen wohnen, einen tiefen Bildungsstand haben und in Schichten arbeiten, ist diese Herausforderung ungemein grösser. Insbesondere dann, wenn Unterstützungsangebote wie Hausaufgabenhilfe oder die Begleitung durch Heilpädagoginnen wegfallen. Die Chancenungleichheit in der Bildung droht sich daher nochmals zu verschärfen.


"Kinder aus Risikofamilien jetzt nicht vergessen", Kommentar von Andrea Lanfranchi, Tages-Anzeiger, 06.04.2020

"Schulschliessung: jeder fünfte Schüler ist gefährdet", NZZ am Sonntag, 05.04.2020

Interview mit Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm im Blick, 21.03.2020

Interview mit Sara Knüsel, Präsidentin des Verbands Schulleiterinnen und Schulleiter Zürich in der NZZ, 22.03.2020


Kindesschutz

Die aktuelle Situation bedeutet für viele Familien eine grosse Zusatzbelastung. Viele Eltern arbeiten im Homeoffice und sind dazu angehalten, ihre Kinder zu Hause zu betreuen und bei der Vermittlung des Schulstoffs zu unterstützen. Ausweichmöglichkeiten bei Konflikten sind eingeschränkt, hinzu kommen mögliche finanzielle Belastungen durch die Krise. Expertinnen und Experten befürchten eine Zunahme von häuslicher Gewalt und Kindswohlgefährdungen. Mit der Schliessung der Schulen fällt zudem ein wichtiges Frühwarnsystem für Kindswohlgefährdungen weg.


Auch die Kindesschutzbehörden sind mit grossen Herausforderungen konfrontiert. Persönliche Anhörungen können nur noch vereinzelt durchgeführt werden und müssen schriftlich oder elektronisch geführt werden. Hausbesuche zu Abklärungszwecken werden teilweise zwar noch durchgeführt, sind aber im Hinblick auf das Ansteckungsrisiko mit Unsicherheiten verbunden. Dasselbe gilt für die sozialpädagogische Familienbegleitung.


Der Bund hat nun eine Taskforce einberufen unter der Federführung des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann. Die Taskforce soll die Situation regelmässig und in enger Zusammenarbeit mit den Kantonen beurteilen und bei einer allfälligen Zunahme der häuslichen Gewalt geeignete Massnahmen prüfen. Einzelne Kantone haben auch bereits reagiert, so stellt beispielsweise der Kanton Zürich den Opferhilfestellen, Frauenhäusern und Schutzunterkünften für Kinder und Jugendliche zusätzliche Mittel in Aussicht.  


"Das deutschschweizer Kindesschutzsystem in der Coronakrise" Interessensgemeinschaft für Qualität im Kindesschutz

Schutz vor häuslicher Gewalt auch in Corona-Zeiten gewährleistet, Medienmitteilung des Bundes vom 23.03.2020

Angst vor häuslicher Gewalt: Wenn der Corona-Stress eskaliert, sind Kinder im Ernstfall noch stärker ausgeliefert», NZZ, 24.03.2020

Medienmitteilung Kanton Zürich, 23.03.2020

«Corona und häusliche Gewalt», Beitrag im Echo der Zeit, Radio SRF, 23.03.2020

«Opferhilfeorganisationen rechnen mit mehr häuslicher Gewalt»,  NZZ, 23.03.2020


Fremdplatzierte Kinder und sonderpädagogisch geförderte Kinder

Die derzeitige Situation hat erhebliche Auswirkungen auf fremdplatzierte und sonderpädagogisch geförderte Kinder. Sehr viele fremdplatzierte Kinder und Jugendliche und jene mit sonderpädagogischem Bedarf werden weiterhin mit grosser Fürsorge von den Fachpersonen der Sozialen Arbeit betreut. Die Umstellung des Alltags und die aktuelle Unsicherheit können schwerwiegende Folgen für junge Menschen haben und Spannungen im Heim schüren, wo es doch insbesondere für fremdplatzierte Kinder wichtig ist, stabile Bezugspunkte zu erhalten. Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und der Sonderpädagogik benötigen zusätzliche Mittel, um Kinder kontinuierlich zu betreuen und ihre Rechte auf Gesundheit, auf den Kontakt zu ihren Familien, auf Sicherheit und ihr Recht auf Wohlbefinden zu gewährleisten. Diese Krisensituation wird jedoch sicherlich eine Gelegenheit sein, das Verhältnis der Kinder zu den neuen Technologien neu zu überdenken.

Einige Kantone führen Unterstützungsmassnahmen für Institutionen ein, und es wurden teilweise Plattformen für den Austausch bewährter Praktiken eingerichtet.


Integras Informationsplattform für Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und sonderpädagogische Einrichtungen

Informationsplattform von CURAVIVA Schweiz für Betreuungsinstitutionen

"Das Kindesschutzsystem in der Coronakrise", Blogbeitrag von Paul Maetschke auf Herheimspaziert, CURAVIVA Schweiz, 01.04.2020


Kinder in Asylzentren

Geflüchtete Kinder und Jugendliche in Asylzentren gehören zu den am stärksten benachteiligten Gruppen in der Schweiz. Mit der Schliessung der Schulen, der Sistierung interner Beschäftigungsprogramme und der starken Reduktion oder dem Verbot von externem Besuch in vielen Asylzentren trifft der aktuelle Notstand sie besonders. Eltern sind teilweise selber von der Krankheit betroffen oder durch die Situation psychisch belastet und die Betreuungsorganisationen arbeiten oft mit einem reduzierten Betreuungsschlüssel. Langeweile, Unruhe und psychischer Stress nehmen daher zu. Das Personal und die Bewohnerinnen und Bewohner der Zentren stehen unter grosser Belastung.


Lern- und Spielsets für Kinder und Familien in Asylzentren von Save the Children Schweiz

"Corona und Kinderrechte im Asylbereich", Beitrag des Netzwerks Kinderrechte Schweiz, 06.04.2020

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