Netzwerk Kinderrechte Schweiz

Steigende Kinderarmut in der Schweiz

Die Schweiz schneidet bei der Bekämpfung von Kinderarmut im internationalen Vergleich schlecht ab. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie von Unicef, die das Wohlergehen von Kindern in rund 40 OECD-Ländern untersucht.

Im Grossen und Ganzen ging die Kinderarmut in den untersuchten Ländern in den letzten sieben Jahren um knapp acht Prozent zurück. Trotzdem leben nach wie vor über 69 Millionen Kinder in Haushalten, die weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen nationalen Einkommens verdienen.


Die Schweiz weist einer der höchsten Pro-Kopf-BIP auf, dennoch ist die Kinderarmut mit rund 133'000 betroffenen Kindern hoch. Eine vor kurzem veröffentlichte Studie von UNICEF kommt nun zum Schluss, dass die Schweiz bei der Bekämpfung der Kinderarmut im internationalen Vergleich schlecht abschneidet. Die Studie analysierte OECD-Länder basierend auf deren letzten Einkommensarmutsquote und ihrem Erfolg bei der Verringerung der Kinderarmut. Obwohl die Schweiz eines der reichsten Länder ist, rangiert sie in dieser Auswertung nur auf Platz 31 der insgesamt 39 untersuchten Ländern.


Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass die Schweiz eine der stärksten Anstiege der Kinderarmut verzeichnet. Konkret nahm die Kinderarmut in den letzten zehn Jahren um 10% zu. Entsprechend ist heute ein Drittel der Sozialhilfebeziehenden in der Schweiz Kinder und Jugendliche. Die Ausgaben für Kinder- und Familienleistungen pro Kind (ausgedrückt in Prozent des BIP pro Kopf) sind zwischen 2010 und 2019 um 24,3 Prozent gestiegen.


Netzwerk Kinderrechte Schweiz fordert mehr Unterstützung für betroffene Familien  

Armut wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus und beeinflusst die individuelle Biografie massgeblich. Die Chancen eines Schulabschlusses sind für von Armut betroffene Kinder geringer und der Durchschnittlohn im Erwachsenenalter liegt deutlich tiefer.  


Artikel 26 und 27 der UN-Kinderrechtskonvention garantieren allen Kindern in der Schweiz das Recht auf soziale Sicherheit und einen angemessenen Lebensstandard. Das Netzwerk Kinderrechte Schweiz fordert daher unter anderem die Einführung von finanziellen Unterstützungsleistungen für betroffene Familien und deren Kinder, und zwar unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus (siehe Positionspapier von 2022). Diese Forderungen stützen sich auf die Empfehlung des UN-Kinderrechtsausschuss, wonach Bund und Kantone Massnahmen zur Armutsbekämpfung intensivieren müssen, damit alle Kinder in der Schweiz über einen angemessenen Lebensstandard verfügen. Die Schweiz braucht dringend wirksame Strategie, um die Armut von Kindern und Familien zu bekämpfen.


Um ein besseres Gesamtbild der von Armut betroffenen Menschen in der Schweiz zu erhalten, soll ein nationales Armutsmonitoring entstehen. Ein erster Bericht wird voraussichtlich 2025 vorliegen. Basierend auf den aktuellsten Erkenntnissen, wäre das Thema «Familienarmut» und die Auswirkung der Armut auf die Entwicklung und die Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen ein zwingend notwendiger Fokus des neuen Armutsmonitorings.


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