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11.09.2013

Private Angebote im Kinderschutz

Sozialdienste beauftragen vermehrt private Firmen mit der Abklärung von Kinderschutzfällen. Aus kinderrechtlicher Sicht muss diese Entwicklung aufmerksam beobachtet werden.

Wie die NZZ am Sonntag vom 8. September 2013 berichtete, beauftragen die Kinder-und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) immer häufiger private Anbieter mit der Abklärung von schwierigen familiären Situationen – vorwiegend in Kinderschutzfällen. Für diese privaten Anbieter hat sich mit dem neuen Kinder- und Erwachsenenschutzgesetz und der Professionalisierung der Vormundschaftsbehörden eine Marktlücke geöffnet. Die Verbreitung privater Sozialarbeit im Kinderschutz ist regional unterschiedlich. Sie hängt davon ab, wie die staatlichen Behörden aufgestellt und wie stark sie ausgelastet sind.

Nach Einschätzung des Netzwerks Kinderrechte Schweiz ist die Entwicklung hin zu privaten Anbietern kritisch zu betrachten: Einerseits können private Abklärungen die staatlichen Behörden entlasten, andererseits können sie für den Staat auch teuer werden und es ist heikel, wenn private Akteure staatliche Aufgaben mit Zwangscharakter (z.B. Fremdplatzierungen) übernehmen. Hier stellt sich wie im Artikel erwähnt die Frage nach der Legitimation.

Folgende Anforderungen an Abklärungen im Kinderschutz können festgehalten werden:

  • Abklärungsdienste, ob staatlich oder privat müssten nach einheitlichen Standards und im Sinne des Kindeswohls erfolgen. Dafür müssen sie genügend Ressourcen erhalten.
  • Private Anbieter müssten in jedem Fall einer Aufsichts- und Bewilligungspflicht unterstellt werden, um die Qualität der Abklärungen garantieren zu können.
  • Die Abklärung und die daraufhin eingeleiteten Massnahmen dürften nicht von ein und demselben Anbieter durchgeführt werden.


Das Netzwerk Kinderrechte Schweiz wird die Entwicklung in diesem Bereich im Auge behalten.