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15.11.2012

Kinderrechte und Geschlechtsoperationen bei Intersexualität

Die nationale Ethikkommission im Bereich Humanmedizin veröffentlicht eine wegweisende Stellungnahme zum Umgang mit Varianten der Geschlechtsentwicklung

Die Kommission empfiehlt namentlich, alle nicht bagatellhaften, geschlechtsbestimmenden Behandlungsentscheide, die irreversible Folgen haben, aber aufschiebbar sind, erst dann zu treffen, wenn die zu behandelnde Person selbst darüber entscheiden kann. Eine psychosoziale Indikation kann die Unaufschiebbarkeit nicht ausreichend begründen. Den betroffenen Kindern und Eltern sollen interdisziplinär arbeitende Fachpersonen beiseite stehen.

Die Empfehlungen werden von Betroffenengruppen klar unterstützt. Die Stellungnahme knüpft an die aktuelle internationale Diskussion an, führt sie weiter und kommt auch zu eigenen Empfehlungen.

So empfiehlt die Ethikkommission, bei der Beurkundung des Personenstandes an zwei Geschlechtsmerkmalen „weiblich“ oder „männlich“ festzuhalten und von einer dritten Variante „anderes“ abzusehen. Der einmal erfolgte Eintrag soll unbürokratisch geändert werden können. Hier zeigt ein Diskussionsbeitrag der National Coalition für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland eine Variante. Sie fordert zumindest die Möglichkeit, die rechtliche Geschlechtszuweisung in Geburtsurkunden vorläufig offenzulassen.